Naturlehrpfad Brunnengraben

Natur erleben und schützen
 

Aktuelles


September/ Oktober 2020


Der Arbeitskreis Naturlehrpfad Brunnengraben Mengen Gemeinde Schallstadt lädt Sie und Ihre Freunde herzlich ein zur Wanderausstellung der UN-Dekade Biologische Vielfalt in Kooperation mit dem BUND im Foyer des Ev. Gemeindehauses Schallstadt-Wolfenweiler. (Öffnungszeiten siehe Flyer Abbildung oben)
Die Ausstellung enthält 19 farbige Bildtafeln mit kurzen, leicht verständlichen Texten. Diese zeigen die Vielfalt unserer Lebens-räume, Landschaften und deren Bewohner. 
Ein Highlight der Ausstellung sind die Gewinnerfotos des UN-Dekade-Fotowettbewerbs leben.natur.vielfalt, 
die die Schönheit der Natur in besonderer Weise vermitteln.
Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011-2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. Wir sind aufgerufen, uns für die biologische Vielfalt einzusetzen.  Hintergrund ist ein Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde. Die Dekade soll die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben bewusst machen und zum Handeln anstoßen.
Viele Ursachen können wir beeinflussen: politisch, gesellschaftlich und auch persönlich. Schon ein bewusstes Konsum- und Freizeitverhalten kann hier manches verändern. Weltweit setzen sich zahlreiche Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt ein, für eine nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und für einen gerechten Nutzenausgleich.
(aus: https://www.undekade-biologischevielfalt.de/)



Juni 2020

Der Arbeitskreis Brunnengraben lädt Sie ganz herzlich ein zu unserer Exkursion am Brunnengraben mit anschließendem Vortrag mit dem Biologen Dr. Holger Hunger im Bio-Garten von Hubert Sehringer:

am Samstag, 27. Juni 2020, Beginn 10 Uhr
Treffpunkt ist die Eröffnungstafel des Naturlehrpfades direkt an der Landesstraße (L187) Richtung Offnadingen

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Der Biologe Dr. Holger Hunger, der sich seit über 25 Jahren privat und beruflich mit Libellen befasst, hat über Libellen promoviert und ist Autor der aktuellen Roten Liste der Libellen Baden-Württembergs. Er arbeitete von Anfang an sehr aktiv im Arbeitskreis Naturlehrpfad Brunnengraben mit und teilt uns folgendes mit:
"Der Brunnengraben spielte seit der frühgeschichtlichen Besiedlung der Gegend um Mengen durch den Menschen eine zentrale Rolle. Nun ist er wie zahlreiche andere kleine Fließgewässer in der Region stark vom Klimawandel betroffen und liegt seit längerem trocken. Die dort vorkommenden seltenen Libellenarten, darunter die Helm-Azurjungfer, sind daher dort aktuell ausgestorben. Deshalb wird hier demnächst zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen: Eine durch Solarmodule angetriebene Pumpe wird Grundwasser in den Brunnengraben einspeisen, um so - zusammen mit der hoffentlich bald wieder einsetzenden natürlichen Quellschüttung - zumindest einen mehrere hundert Meter langen Abschnitt des Brunnengrabens wiederzubeleben und dauerhaft zu erhalten.
Auch wenn es am Brunnengraben daher aktuell leider keine Libellen mehr zu bestaunen gibt, gibt es dennoch etwas zu erleben: H. Hunger wird die an einem benachbarten Teich fliegenden Libellen vorstellen. Außerdem steht er für alle Fragen über Libellen und ihren Schutz zur Verfügung.


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Steinkäuze sind am Batzenberg wieder heimisch geworden


Unsere  jahrelangen gemeinsamen Bemühungen haben sich gelohnt, stellt der Initiator des Naturlehrpfades Brunnengraben Leonhard Siegwolf fest: Zu unserer Freude hat der Biologe Markus Mayer im Jubiläumsjahr 2020 in einer Baumhöhle eines alten Apfelbaumes eine zweite Brut ausfindig gemacht.


Der Steinkauz - im Alemannischen auch "Quäkerle" genannt- war bis in die 60iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein häufiger Vogel, dessen bevorzugte Lebensräume alte Obstwiesen und Gärten mit alten Bäumen waren. Er ist auf Bruthöhlen angewiesen, die sich vorwiegend in alten Bäumen befinden. Infolge der ständig gewachsenen Monokulturen und die Umwandlung von Wiesen auf Ackerflächen wurden die Lebensräume immer weniger mit dramatischen Bestandseinbrüchen. Wurden 1993 am Kaiserstuhl und in der March noch sechs Paare gezählt -im Markgräflerland wurde diese Eulenart jahrzehntelang nicht mehr gesichtet-, wuchs der Bestand durch das Anbringen von  Brutröhren und intensive Biotoppflege  -durch die Zusammenarbeit von Naturschützern, Franz Preiß vom Nabu Lörrach und des bekannten Freiburger Ornithologen Christian Stange an der Spitze- flächendeckend wieder an. Zur Biotoppflege gehört eine regelmäßige Mahd oder noch besser Beweidung, da Steinkäuze bei kurzem Gras optimal Nahrung wie Mäuse, Käfer, Heuschrecken usw. fangen können. Trotzdem steht der Steinkauz noch immer auf der "Roten Liste" der bedrohten Arten.


Zwei neue Röhren wurden von Christian Stange und Leonhard Siegwolf  kürzlich auf einer neuen Obstwiese in Mengen angebracht. Eine weitere Röhre wird im Herbst im Rahmen einer Vogelaktion mit der Jengerschule in Norsingen aufgehängt.

Der Arbeitskreis Brunnengraben glaubt fest daran, daß auch die neuen Röhren bald bewohnt werden.


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Grüne Wege für Mensch und Natur

Das MOBIL - Projekt: "Lebensräume stärken und funktional verbinden"


Zwischen Schwarzwald und Rhein liegt das Markgräflerland – von der Rheinaue mit lichten Wäldern und blumenreichen Wiesen bis zur Vorbergzone mit ihren bunten Obstwiesen, artenreichen Magerwiesen und Weinbergen. Die wertvollen Lebensräume sind vor allem in der Rheinebene durch Siedlungs- und Gewerbeflächen, Verkehrsachsen und intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen getrennt. Diese Zerschneidung hat für viele Tier- und Pflanzenarten weitreichende Folgen. So hat zum Beispiel die Wildkatze große Probleme, von der Rheinaue in den Schwarzwald zu kommen.

Ziel des Projektes ist eine für die Tier- und Pflanzenwelt durchlässig gestaltete Landschaft. In den Kernlebensräumen, diese sind meist schon bestehende Schutzgebiete, werden Entwicklungsmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität durchgeführt. Die Kernlebensräume sollen durch halboffene Lebensraumkorridore oder funktional miteinander verbunden werden. Warum wir ein grünes Wegnetz brauchen und wie es geknüpft sein sollte, erfahren Sie unter  "www.biotopverbund-markgraeflerland.de"


Im Moment werden drei junge Turmfalken am Brunnengraben aufgezogen.

Nach den durchgeführten Habitataufwertungen ist der Naturlehrpfad Brunnengraben zu einem lokalen Verbundkorridor des MOBIL-Projektes MarkgräflerLand geworden, resümiert Leonhard Siegwolf vom Arbeitskreis Brunnengraben.

Steinkauz, Turmfalke und Fledermäuse nutzen den Brunnengraben als Jagdrevier, viele Singvögel finden hier Insekten und Sämereien.

Beim gemeinsamen Spatenstich im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Schallstadt und Ehrenkirchen im Jahre 2017 lobte Dr. Bernd-Jürgen Seitz, Leiter Ref. 56 Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Freiburg, die Arbeit am Brunnengraben und sagte, er sei "Teil von etwas ganz Großem - dem landesweiten Biotopverbund".


In drei Etappen wurde ab 2015 in enger Kooperation mit dem Biologen Markus Mayer vom Büro für Landschaftskonzepte und Daniel Ramstein, Forst & Holzarbeiten, die weitere Vernetzung am Brunnengraben auf einer Länge von über 2 km von Südosten von Mengen (L187 Richtung Offnadingen) bis auf die Gemarkung Norsingen vorgenommen: In diesem Zeitraum wurden -teilweise auch über Ausgleichs- und Ökokontomaßnahmen der Gemeinde Schallstadt- nochmals über 100 Bäume (Hochstämme) -überwiegend Obstbäume alter Sorten, wie z.B. Kaiser Wilhelm, Ulmer Polizeiapfel, Stuttgarter Geißhirtle usw. und verschiedene heimische Sträucher gepflanzt sowie zwei Benjes-Hecken angelegt.

Bei all unseren Aktionen hat uns die Alemannenschule und das Ökomobil vom Regierungspräsidium Freiburg begleitet.

Gemeinsam haben wir es geschafft: "Ein Stück Natur ist an den Ortsrand von Mengen -ohne Grenzen- zurückgekehrt". Darüber sind wir glücklich und stolz, sagt Siegwolf, der allen Beteiligten im Namen des Arbeitskreises für die große Unterstützung ganz herzlich dankt.